Impuls der Woche

Jeden Samstag ein neuer Impuls! Oft orientiert sich der Impuls an den Lesungen des betreffenden Sonntags, manchmal ist er aber auch einfach ein Impuls, der spontan aus dem Herzen kommt.

Impuls vom 23.05.2020 "Verherrlichung" von Stefan Kaiser

„Ich habe dich auf Erden verherrlicht.“ So betet Jesus in Joh 17,4.

Aber was meint „verherrlichen“? In der biblischen Sprache bedeutet „verherrlichen“ „die Ehre erweisen“. Dabei meint „verherrlichen“ jedoch nicht unterwürfig zu sein. Es meint auch nicht, einer Gottheit irgendwelche Gaben zukommen zu lassen oder durch Rituale, Gebärden und Reichtümer die Würde einer Gottheit zu unterstreichen oder gar erst herzustellen.

Um die biblische Bedeutung von „verherrlichen“ zu verdeutlichen, lohnt der Blick auf Jesus und seinen Satz: „Ich habe dich auf Erden verherrlicht.“ (Joh 17,4)

Wie hat Jesus Gott verherrlicht? Indem er von Gott erzählte, indem er zu den Ausgestoßenen ging, indem er den Menschen half und sie heilte. In diesen Taten verherrlichte er Gott. In diesen Taten ließ er die Herrlichkeit Gottes aufleuchten. In seinem Wirken und in seinen Taten ließ er den liebenden Gott mitten in seiner herrlich geschaffenen Welt in seiner Herrlichkeit aufleuchten.

Und Gott ist jener, der seit Anbeginn der Welt alles Geschaffene an seiner Herrlichkeit teilhaben lassen will. Denn überall dort, wo sein Reich anbricht, sehen wir, wie schön, wie herrlich, diese Welt und das Leben in der Welt und miteinander sein können. Da haben wir Anteil an seiner Herrlichkeit und da ist das Leben seiner Geschöpfe antwortende Verherrlichung Gottes. So können wir Gott Ehre erweisen.

In Jesus Christus wird die Herrlichkeit Gottes in alles überbietender Weise sichtbar. Seine Herrlichkeit ist in allem Geschaffenen dort, wo Gott Raum bekommt, wo sein Reich aufbrechen darf, wo seine Welt als Schöpfung gesehen wird.

Die Herrlichkeit oder Verherrlichung Gottes ist nicht etwas, das man Gott, dem König erweisen bzw. darbieten muss, es ist etwas, dass ich in meinem Leben in dieser Welt hereinlassen bzw. aufleuchten lassen muss. In dieser Welt, mit Tod und Leid, ist uns dank Jesus gezeigt worden, dass die Verherrlichung Gottes unter uns aufbrechen kann, dass die Schöpfung, also auch wir Anteil an seiner Herrlichkeit gewinnen können.

Das geschieht auch heute: Besonders diese leidvollen Monate können zeigen, dass die Herrlichkeit Gottes nichts Jenseitiges ist, sondern etwas, das sich hier und heute durch Sie, durch mich, durch uns durchsetzen will. Denn Gott wird überall dort verherrlicht, wo Menschen heute füreinander beten, er wird dort verherrlicht, wo spontane Brieffreundschaften mit Einsamen geknüpft werden, er wird heute dort verherrlicht, wo Menschen Bedürftige unterstützen, wo Menschen aufeinander Rücksicht nehmen und einander schützen. Überall dort, wo wir heilend, betend, helfend wirken, dort lassen wir Gott in seiner Herrlichkeit eintreten, dort werden wir stückweise „zum Herrn“.

Der Kirchenvater Irenäus von Lyon (gest. um 200) schrieb: „Die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch, das Leben des Menschen ist die Schau Gottes.“ (haer. IV, 20,7)

„In ihnen bin ich verherrlicht“ (Joh17,10), sagt Jesus am Ende seines Gebetes und meint damit uns. Mir macht diese Aussage Lust auf die Herrlichkeit Gottes. Zum einen kann ich von der Herrlichkeit meines Gottes berichten, indem ich aufzähle, welch herrliche Aktionen ich in den letzten Wochen beobachten konnte. Zum anderen macht es mich stolz, dass ich durch mein Wirken Gott Ehre erweisen und selbst Anteil an seiner Herrlichkeit erfahren kann.

Ich kann also, wie mir in der Taufe versprochen wurde, ein Stück weit Anteil an Gottes Königtum und damit an seiner Herrlichkeit bekommen. Seine Verherrlichung erhebt auch mich zur Herrlichkeit.

So wünsche ich uns allen in der kommenden Woche, mitten in dieser Welt, die an manchen Tagen wenig Herrliches zu bieten hat, dass wir die in ihr von Gott grundgelegte Herrlichkeit aufleuchten lassen können.

Ihr Stefan Kaiser

Impuls vom 16.05.2020 "Herzenssache" von Karin Stump

Kennen Sie die Karikatur: Da stehen Menschen bei einer Party beieinander. Ein Mann fragt das Paar, das ihm gegenüber steht: „Ach, Christen seid ihr. Christ, was macht man da so?“  Wie fremd ist doch manchen das Christsein geworden. „Christ, was macht man da so?“ – Wie würde Ihre Antwort lauten?  –

Ich würde nicht nur Gebote und Rituale aufzählen, wie etwa Taufe, Kirchgang, Feste im Kirchenjahr, Sakramentsempfang. Auch die Gebote der Gottes- und Nächstenliebe würde ich nicht als erstes nennen. Meine Antwort begänne etwa so: „Christin bin ich, weil Jesus Christus mein wichtigster Bezugspunkt ist. Er ist die Person, an der ich mich orientiere, auf die ich mich immer neu beziehe und die mir Kraft gibt.“ Und daraus folgt mein Handeln. Dieser Glaube, diese Liebe prägen das Verhalten und den Lebensstil von Christinnen und Christen.

Christus und seine Lebensart möchten uns Herzenssache sein.

Christsein bedeutet nicht äußeres Einhalten von Vorschriften und Gewohnheiten, nicht allein Riten feiern und Kirchengebote halten. Wenn das Herz nicht von der Liebe Christi und der Liebe zu Christus ergriffen wird, bleibt alles Fassade oder intellektuelles Gedankengebäude.

„Haltet in eurem Herzen, Christus, den Herrn, heilig!“ so der erste Satz der Lesung (1 Petr 3, 15). Es geht um den Funken der Liebe, der lebendig macht und auch in schweren Zeiten durchtragen will.

Aber Hand auf‘s Herz! Hat Jesus Christus, hat Gott diesen Platz in deinem Herzen? Ist er die Nummer eins, auf die für dich alles ankommt? Vielleicht ist dir im Laufe der Jahre das Feuer abhandengekommen. Vielleicht ist vieles fraglich geworden, durch die Anfragen einer nicht mehr christlichen Umwelt, durch den Wohlstand oder durch die Unglaubwürdigkeit und die Skandale und Krisen in der Kirche selbst. Oder durch Unrecht und Leid, das du siehst oder selbst erfährst.

„Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt.“ (1 Petr 3,15)

Gottes und Jesu Liebe zu dir und mir, zu jedem Menschen – und unsere antwortende Liebe sind das Zentrum christlichen Glaubens. Diese Liebe ist gewiss, auch und gerade in dieser Zeit, die uns so verunsichert, besorgt und Veränderung von uns erwartet. Herzenssache!

So können wir und andere spüren und erleben, was Jesus sagt: „Ihr seid in mir und ich bin in euch.“

Ihre Karin Stump

Impuls vom 09.05.2020 "Christus passiert" von Stefan Kaiser

Meine Frau arbeitet an der TU Dortmund am Institut für Katholische Theologie und gestaltet eine Lehrveranstaltung zur Christologie.

Ein nicht ganz einfaches Thema, denn unsere Glaubenswahrheit, dass Jesus wahrer Mensch und wahrer Gott sei, ist nicht ganz einfach zu denken. Oft versuchen die Studierenden, Jesu Leben zu zerstückeln und sagen: „Bei den Wunderheilungen war er wahrer Gott und am Kreuz war er wahrer Mensch“, so, als ob Jesus zwischen Gott und Mensch hin und her wechselt.

Andere Studierende zerbrechen sich den Kopf, ob Jesus „Gottes-Gene“ hatte, ob der eine Arm am Körper göttlich und der andere Arm menschlich sein könnte.

Und in der Tat, wie soll man sich das vorstellen: Jesus sei wahrer Gott und wahrer Mensch und seine Naturen sind ungetrennt und unvermischt.

Ich stelle mir das immer wie folgt vor (nach Wilfried Härle): Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Konzert. Eine Klarinettenspielerin spielt ein Klarinettenkonzert von Mozart. Was hören Sie? Hören Sie die Klarinettistin? Hören Sie Mozart? Hören Sie, wie die Klarinettistin Mozart versteht? Wissen wir überhaupt, wie Mozart das Stück gespielt hätte und was von dem, was wir gerade hören, Mozart ist und was Interpretation der Klarinettistin?

Was hier passiert, ist eigentlich das, was wir von Jesus sagen. Sowohl das eine als auch das andere, ungetrennt und unvermischt. Wir hören zum einen die Klarinettistin, zum anderen aber auch Mozart. Sie sind zwar nicht dieselbe Person (unvermischt), aber auch können wir die beiden in dem, was wir hören, nicht trennen (ungetrennt).

Und so stelle ich mir Jesus vor: In ihm IST nicht Gott, in ihm und um ihn herum PASSIERT Gott. Jesus bringt all das von Gott in seinem Handeln und in seinem Leben  und in seinem Umfeld zum Klingen, was die Israeliten von ihrem Gott wussten: er befreit, er hilft, er heilt, er erlöst, er ist da.

Und so, wie in, durch und um Jesus herum Gott in überwältigender Art und Weise passierte, kann auch heute Gott in, durch und um uns herum passieren. Zum Beispiel dort, wo Menschen Gaben an einen Zaun hängen, um Menschen zu helfen, um da zu sein, um Menschen von Nöten zu erlösen.

Gott IST nicht statisch, Gott PASSIERT, ist dynamisch. Lassen Sie Gott um Ihnen herum in dieser Woche passieren.

Ihr Stefan Kaiser